Lidar
Lidar steht für "Light Detection and Ranging", also Lichterkennung und Entfernungsmessung. Ein Lidar-Sensor sendet unsichtbare Laserpulse aus und misst, wie lange das reflektierte Licht zurück zum Sensor braucht. Weil die Lichtgeschwindigkeit konstant ist, lässt sich daraus die Entfernung sehr genau berechnen. Aus Millionen solcher Messpunkte pro Sekunde entsteht eine dreidimensionale Punktwolke der Umgebung. Anders als Radar arbeitet Lidar mit Laserlicht statt Radiowellen, und anders als eine Kamera misst es Abstände direkt, statt sie aus einem Bild zu schätzen.
Warum das beim Autokauf zählt
Lidar ist heute vor allem ein Bauteil für Assistenzsysteme. Es liefert eine zusätzliche, von der Kamera unabhängige Wahrnehmungsebene und hilft besonders bei Nacht, starkem Gegenlicht, Regen oder Nebel sowie bei kleinen Hindernissen auf der Fahrbahn. Diese Redundanz ist der Kern des Arguments: Fällt eine Sensorart aus oder irrt sie sich, gibt es eine zweite Meinung. Ein Lidar macht ein Auto aber nicht automatisch autonom. Rechtlich bleiben die meisten Systeme Level-2-Assistenz, bei der die Fahrerin oder der Fahrer die Verantwortung trägt. In China hat das MIIT deshalb 2026 strengere Regeln vorgelegt, unter anderem verbindliche Sicherheitsstandards für Level 3 und 4 ab dem 1. Juli 2027 sowie klare Vorgaben gegen irreführende Werbung für L2-Systeme.
Die Rolle chinesischer Elektroautos
Der Lidar-Markt ist inzwischen fast vollständig chinesisch geprägt. Nach Zahlen der Yole Group wurden 2025 rund 3,7 Millionen Lidar in Pkw ausgeliefert, davon etwa 3,1 Millionen als ADAS-Hauptsensor. Hesai kam auf 43 Prozent Anteil, chinesische Anbieter zusammen auf rund 95 Prozent.
Konkrete Beispiele:
- Hesai ATX: bis 300 Meter Reichweite, 140 Grad horizontales Sichtfeld, 8 Watt Leistungsaufnahme, Fensterhöhe ab 25 Millimetern, Serienfertigung ab dem ersten Quartal 2025. Der Preis fiel laut Herstellerangaben auf etwa 200 US-Dollar, rund die Hälfte der Vorgängergeneration.
- Seyond Falcon (verbaut bei Nio): Wellenlänge 1550 Nanometer, bis 500 Meter Reichweite, 250 Meter bei 10 Prozent Reflektivität, Sichtfeld 120 mal 25 Grad.
- BYD "God's Eye" (Februar 2025): Version A mit drei Lidar, Version B mit einem Lidar, Version C rein kamerabasiert, ohne Aufpreis über die Modellpalette verteilt. Im Mai 2026 bekam sogar der Kleinwagen Seagull serienmäßig ein Lidar.
In Deutschland ist Nio der sichtbarste Vertreter: Der ET5 kam mit dem Sensorpaket Aquila und 33 Sensoreinheiten inklusive Dach-Lidar auf den Markt, zum Start ab 47.500 Euro. Der Trend ist aber nicht einheitlich. Xpeng strich beim aktualisierten G6 und G9 (Januar 2026) das Lidar und setzt auf rein kamerabasierte Wahrnehmung mit eigenen Turing-Chips.
Zuletzt aktualisiert: 08. September 2026