Vehicle-to-Grid (V2G)
Vehicle-to-Grid, kurz V2G, bezeichnet die Faehigkeit eines Elektroautos, Strom nicht nur zu laden, sondern aus der Antriebsbatterie auch wieder in das oeffentliche Stromnetz zurueckzuspeisen. Das Fahrzeug wird damit zum mobilen Zwischenspeicher: Es laedt, wenn viel Wind- und Solarstrom im Netz ist und der Preis niedrig liegt, und gibt Energie zurueck, wenn die Nachfrage hoch ist. Fuer den Halter entsteht daraus eine Verguetung, fuer das Netz eine zusaetzliche Reserve.
Abgrenzung zu V2L und V2H
- V2L (Vehicle-to-Load): Das Auto versorgt ueber eine Steckdose oder einen Adapter einzelne Geraete. BYD gibt fuer den Atto 3 EVO bis zu 3 kW an. V2L ist die einfachste Stufe und bei chinesischen Modellen weit verbreitet.
- V2H (Vehicle-to-Home): Das Auto speist in das Hausnetz ein, etwa als Puffer fuer die eigene Photovoltaikanlage.
- V2G: Die Rueckspeisung geht ins oeffentliche Netz und wird vom Energieversorger gesteuert. Dafuer braucht es eine bidirektionale Wallbox, eine Kommunikation nach ISO 15118-20 und einen Tarifpartner.
Warum das beim Kauf wichtig ist
In Deutschland war V2G lange unwirtschaftlich, weil auf zurueckgespeisten Strom faktisch zweimal Netzentgelte anfielen. Mit der EnWG-Novelle vom 13. November 2025 gelten Elektroautos seit dem 1. Januar 2026 rechtlich wie Stromspeicher, die Doppelbelastung entfaellt. Seit dem 1. April 2026 regeln die MiSpeL-Vorgaben der Bundesnetzagentur die Abrechnung ohne zweiten Zaehler. Das erste Privatkundenangebot kam im Februar 2026 von BMW und E.ON fuer den iX3: 24 Cent je Stunde, in der das Auto angeschlossen und verfuegbar ist, maximal 60 Euro im Monat und bis zu 720 Euro im Jahr.
Rolle bei chinesischen Elektroautos
China treibt V2G staatlich voran. Die Planungsbehoerde NDRC startete 30 Pilotprojekte in neun Staedten, darunter Shanghai, Shenzhen, Guangzhou, Chongqing und Kunming. Beim Shanghaier Pilotlauf ab dem 31. Maerz 2025 waren 19 Fahrzeuge von zehn Herstellern und 13 V2G-faehige Ladepunkte von neun Anbietern beteiligt, mit einer Entladeleistung von rund 20.000 kW. Shanghai peilt bis 2030 zwischen 30.000 und 50.000 V2G-faehige Ladepunkte an, landesweit sind bis 2027 rund 5.000 bidirektionale Stationen geplant. NIO buendelte im Januar 2026 in Nanjing 70 Energieanlagen, sechs Batteriewechselstationen lieferten dabei bis zu 1.540 kW Spitzenleistung. Ein Shanghaier NIO-Fahrer berichtet von etwa 500 Yuan Vorteil pro Monat.
Wichtig fuer den deutschen Markt: Die hier verkauften China-Modelle bieten in der Regel nur V2L, die V2G-Freigabe fehlt meist noch. Wer darauf Wert legt, sollte vor dem Kauf pruefen, ob das Modell bidirektional entladen darf, welche Wallbox freigegeben ist und ob die Batteriegarantie die Rueckspeisung abdeckt.
Zuletzt aktualisiert: 08. September 2026