Ausgabe MMXXVI·Nr. 251
China-Autos.de中国汽车百科
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DienstagWissen & Berichterstattung zu Autos aus der Volksrepublik China08. September 2026
Hersteller · Hethel, Norfolk, Vereinigtes Koenigreich (globaler Hauptsitz von Lotus Technology: Wuhan, China)

Lotus

## Ueberblick Lotus ist ein 1948 gegruendeter britischer Sportwagenhersteller mit Stammsitz und Werk im englischen Hethel (Norfolk).

Aktiv am Markt·5 Modelle·gegründet 1948

Ueberblick

Lotus ist ein 1948 gegruendeter britischer Sportwagenhersteller mit Stammsitz und Werk im englischen Hethel (Norfolk). Seit 2017 gehoert die Marke mehrheitlich zur chinesischen Zhejiang Geely Holding Group. Das Geschaeft mit elektrifizierten Oberklassemodellen fuehrt die Lotus Technology Inc., die ihren globalen Hauptsitz in Wuhan hat und seit Februar 2024 an der Nasdaq notiert ist (Kuerzel LOT). Am 21. August 2026 uebernahm Lotus Technology 100 Prozent der Anteile an der britischen Lotus Advance Technologies und buendelt seither alle Aktivitaeten unter der Struktur One Lotus. Lotus ist damit ein Hersteller mit britischer Marken- und Fertigungstradition, dessen Kapital, Volumenfertigung und Konzernsteuerung in China liegen.

Geschichte

Colin Chapman baute 1948 den ersten Lotus, 1952 folgte die Gruendung der Lotus Engineering Ltd. Seit 1966 sitzt das Unternehmen auf dem Gelaende eines frueheren RAF-Flugplatzes in Hethel. Lotus praegte den Leichtbau im Sportwagen und war ueber Jahrzehnte in der Formel 1 aktiv. Nach Eigentuemerwechseln zu General Motors (1986) und Proton (1996) uebernahm Geely 2017 die Mehrheit von 51 Prozent, die uebrigen 49 Prozent hielt die malaysische Etika Automotive. 2021 gruendete der Konzern Lotus Technology als Gesellschaft fuer Elektrofahrzeuge und legte am 31. August 2021 in Wuhan den Grundstein fuer deren globales Hauptquartier. 2022 lief in Wuhan der erste Eletre vom Band, 2024 folgte die Notierung an der Nasdaq. 2025 geriet das Geschaeft unter Druck: Die Auslieferungen des Sportwagens Emira brachen ein, Lotus meldete hohe Verluste und kuendigte Stellenstreichungen in Hethel an. Die Zusammenfuehrung aller Gesellschaften im August 2026 sowie eine Wandelanleihe von Geely ueber rund 128 Millionen US-Dollar sollen die Lage stabilisieren.

Modellpalette

Die Palette umfasst vier Baureihen. Der Emira ist der letzte reine Verbrenner-Sportwagen der Marke, angeboten mit aufgeladenem 3,5-Liter-V6 und mit Zweiliter-Vierzylinder von Mercedes-AMG. Der Eletre ist ein batterieelektrisches SUV, der Emeya eine batterieelektrische Fastback-Limousine. Der Evija ist ein auf 130 Exemplare limitierter Elektro-Hypersportwagen mit vier Motoren und rund 2000 PS. Seit 2026 ergaenzt der Eletre X als Plug-in-Hybrid die Palette (in China unter dem Namen Eletre For Me). Fuer 2027 ist eine Plug-in-Hybrid-Version des Emira angekuendigt, fuer 2028 der Type 135, ein Supersportwagen mit Hybrid-V8. Zum Modelljahr 2026 wurden Eletre und Emeya auf die Leistungsbezeichnungen 600 und 900 sowie die Ausstattungslinien GT und Sport umgestellt.

Technik und Plattformen

Eletre und Emeya stehen auf der Electric Premium Architecture, einer aluminiumbasierten Plattform mit 800-Volt-Bordnetz. Der Eletre 600 leistet 450 kW (612 PS) und kommt mit 112 kWh Batterie auf bis zu 600 km nach WLTP, der Eletre 900 leistet 675 kW (918 PS) bei rund 500 km. Der Emeya nutzt eine 102-kWh-Batterie und erreicht je nach Variante etwa 500 bis 610 km WLTP; an einer 400-kW-Saeule laedt er unter guenstigen Bedingungen in 14 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Der Eletre X kombiniert eine 900-Volt-Architektur, eine rund 70 kWh grosse Batterie, einen 52-Liter-Tank und einen Zweiliter-Turbomotor, der als Generator arbeitet. Lotus nennt bis zu 700 kW (952 PS), rund 350 km rein elektrisch und ueber 1200 km Gesamtreichweite, beide Reichweiten nach dem chinesischen CLTC-Zyklus; WLTP-Werte lagen zum Marktstart nicht vor. Gebaut werden Elektro- und Hybridmodelle in Wuhan, wo das Werk auf 150.000 Fahrzeuge im Jahr ausgelegt ist. Der Emira entsteht weiterhin in Hethel.

Markt Deutschland und Europa

Importeur ist die Lotus Cars Deutschland GmbH mit Sitz in Muenchen, der Vertrieb laeuft ueber ein kleines Netz von Vertragspartnern. Der Eletre startete im Fruehjahr 2026 bei 95.990 Euro, der Emeya bei rund 108.000 Euro. Die Stueckzahlen sind gering: Nach den Zulassungsdaten des Kraftfahrt-Bundesamtes kamen von Januar bis Juli 2026 in Deutschland 196 neue Lotus auf die Strasse, 13,3 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. In Europa lieferte Lotus Technology im ersten Halbjahr 2026 716 Fahrzeuge aus, gegenueber 2248 in China. Der Eletre X soll Europa im vierten Quartal 2026 erreichen, der Emira als Plug-in-Hybrid 2027 zur Euro-7-Umstellung.

Einordnung

Lotus ist ein Sonderfall unter den Marken in chinesischem Besitz. Anders als bei den jungen chinesischen Herstellern steht hier eine 1948 gegruendete europaeische Marke im Zentrum, deren Kapital, Volumenfertigung und Konzernzentrale inzwischen in China liegen. Wirtschaftlich arbeitet das Unternehmen weiter defizitaer: Im ersten Halbjahr 2026 lieferte Lotus Technology 3904 Fahrzeuge aus (plus 39 Prozent), erloeste 268 Millionen US-Dollar und wies einen Nettoverlust von 151 Millionen US-Dollar aus, rund die Haelfte des Vorjahreswerts. Die im Mai 2026 vorgestellte Strategie Focus 2030 verabschiedet sich vom reinen Elektrokurs: Lotus setzt auf einen Mix aus Verbrenner, Plug-in-Hybrid und Batterieauto, kurzfristig auf ein Verhaeltnis von 60 zu 40 zwischen Hybrid- und Elektromodellen, und nennt ein Absatzziel von 30.000 Fahrzeugen im Jahr. Fuer den deutschen Markt bleibt Lotus damit eine Nischenmarke im oberen Preissegment, deren Perspektive an der Tragfaehigkeit der Hybridstrategie und an der Unterstuetzung durch Geely haengt.

Modelle von Lotus

Quellen & Hinweise

Angaben aus der China-Autos.de-Datenbank. Maßgeblich sind stets die offiziellen Angaben des Herstellers.

Zuletzt aktualisiert: 07. September 2026